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Reporter im SRF 1 „Der Muslim-Bestatter“  vom 05.05.2013

Reportage im SRF 1 „Schweiz aktuell“  vom 11.06.2010

Reportage im Tele Züri vom
09.04.2010

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«Gefährten für die letzte Reise» (© Migros Magazin; 02.11.2015)

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Der muslimische Bestatter

Wenn bei Enver Fazliji (30) das Telefon klingelt, beginnt in der Regel ein Wettlauf gegen die Zeit: Der gebürtige Kosovo-Albaner ist einer von zwei muslimischen Bestattern in der Schweiz. Wer bei ihm anruft, hat einen Todesfall in der Familie – und will den Verstorbenen innerhalb von 48 Stunden unter der Erde wissen.

«Nach dem Tod schwebt die Seele über dem Körper des Menschen. Erst wenn der Leichnam beerdigt ist, kann der Geist Ruhe finden», erklärt der gelernte Dokumentationsassistent den Zeitdruck, unter dem die Angehörigen nach einem Todesfall stehen. Was den Stress erhöht: Die letzte Reise führt die meisten Muslime zurück in ihr Heimatland. Das heisst, Enver Fazliji muss für seine Kunden innerhalb von wenigen Stunden einen Flug organisieren und die Formalitäten erledigen – Totenschein, Einreisegenehmigung und eine Bestätigung des Rechtsmediziners, dass es sich beim Leichnam um die deklarierte Person handelt und keine Schmuggelware im Sarg versteckt ist.

19249870 «Es gibt nur wenige Friedhöfe in der Schweiz, die Muslimen die Ausrichtung des Grabes nach Mekka und die ewige Totenruhe gewähren können und wollen», erklärt Enver Fazliji die aufwendige Repatriierung. Auch die emotionale Bindung zur Heimat spielt eine Rolle: «Drei Viertel der Särge, die von Zürich aus verfrachtet werden, gehen auf den Balkan. Das sind Migranten der ersten Generation, die während der Kriegswirren in die Schweiz gekommen sind und immer von einer Rückkehr träumten.» Wegen der Kinder und Enkel blieben die meisten dann doch und kehrten erst im Sarg zurück.

Vor neun Jahren verstarb Enver Fazlijis eigene Grossmutter. Seine Familie stand vor der Herausforderung, ihr einen würdigen Abschied zu bescheren. Diese Erfahrung motivierte ihn, gemeinsam mit seinen Eltern das Bestattungsunternehmen Ahireti, arabisch für Jenseits, zu gründen.

Ein wichtiges Element einer muslimischen Bestattung ist das Waschen des Leichnams, meist in der Gegenwart von Familienmitgliedern. Um das Ritual in der Nähe des Flughafens durchführen zu können, hat Enver Fazliji eine Vereinbarung mit der Gemeinde Wallisellen ZH, wo er in einem Lagerraum des Friedhofsgebäudes einen Edelstahltisch mit Abfluss aufstellen durfte: «Ich bin der Gemeinde sehr dankbar. Es war nicht einfach, einen Raum zu finden.»

Meist kann Bestatter Fazliji seinen Job ohne Probleme erledigen: Hin und wieder jedoch stösst er auf Menschen, die ihm Steine in den Weg legen. Wie etwa kürzlich im Tessin, wo er den Verstorbenen erst nicht direkt im Spital abholen durfte, und die Friedhofsmitarbeiter ihm dann dessen Pass nicht aushändigen wollten: «Da ging es aber wahrscheinlich nicht nur um Diskriminierung, sondern auch um Geld, zumal der Verstorbene ein griechisch-orthodoxer Mazedonier war.» So habe das örtliche Bestattungsunternehmen auch noch eine Rechnung stellen können. Und hätte er schliesslich den Verstorbenen nicht ohne Papiere mitgenommen und die Botschaft verständigt, hätte die Familie auch noch Kühlkosten bezahlen müssen. Enver Fazliji selber verrechnet für seine Dienstleistung in der Regel rund 3000 Franken – inklusive Flugticket für den Verstorbenen.

«Wir kehren nur noch im Sarg in die Heimat zurück» (© AZ Solothurner Zeitung; 01.11.2014)

«Wir kehren nur noch im Sarg in die Heimat zurück»

 

Enver Fazlijis Kunden treten ihre letzte Reise meist im Frachtraum eines Flugzeuges an. Der 29-jährige Bellacher ist einer von zwei muslimischen Bestattern in der Schweiz. Er ermöglicht verstorbenen Muslimen die Rückkehr in ihre Heimat.

 

Male schon hat Enver Fazliji die Plastikhandschuhe angezogen, die Schürze über den Anzug gestülpt und dann mit der Waschung des Leichnams begonnen.

Der Bellacher Fazliji, 29, ist einer von offenbar nur zwei muslimischen Bestattern in der Schweiz. Von Genf bis Romanshorn rufen ihn Angehörige an, damit er die letzte Reise der Verstorbenen organisiert. Es ist ein Kampf gegen die Zeit: Innert 24 Stunden muss ein Verstorbener die rituelle Waschung erhalten, wenn möglich sollte er innert 48 Stunden beerdigt sein.

In seinem Haus in Bellach ist auch das Bestattungsunternehmen von Enver Fazliji. Eine Karte zeigt, wohin er Verstorbene schon transportiert hat: fast überall in die Welt. Hauptgeschäft ist aber der Balkan. Vor allem die erste Generation der Einwanderer möchte in ihrer Heimat beerdigt werden, wo oft noch Verwandte leben.

Die Kinder werden hier bleiben

«70 Prozent der Särge, die von Zürich aus verfrachtet werden, gehen auf den Balkan», weissFazliji, der nicht nur Muslime, sondern auch Katholiken und Orthodoxe in ihre Heimat repatriiert. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen liegt bei 50, es sind Einwanderer der ersten Generation, die jung aus dem Gebiet des früheren Jugoslawien in die Schweiz kamen. «Viele planen zwar, nach der Pension wieder in die Heimat zu gehen», sagt Fazliji. «Aber wenn ihre Kinder und Familien hier leben, tun sie das fast nie. Wir gehen nur noch im Sarg in die Heimat zurück.»

Schweiz bietet kaum Möglichkeiten zur Bestattung

Der Bestatter aus Bellach rechnet damit, dass die zweite oder dritte Generation hier beerdigt werden wird. Noch allerdings stehen dem Hürden entgegen: Es gibt nur wenige Friedhöfe in der Schweiz, die Muslimen die Ausrichtung des Grabes nach Mekka und die ewige Totenruhe gewähren können oder wollen. Schweizer Gräber werden oft nach spätestens 25 Jahren aufgehoben. Und oft fahren Leichenwagen mit Kreuz vor, um die Toten abzuholen – für Muslime geht das eigentlich nicht. Das waren auch die Gründe, weshalb Fazliji mit 20 sein Geschäft gegründet hat.

Als seine Grossmutter starb, war er mit all den Schwierigkeiten konfrontiert, die Muslime bei Bestattungen in der Schweiz haben können. Fazliji, damals hatte er gerade die Lehre als Informations- und Dokumentationsassistent in der Zentralbibliothek Solothurn abgeschlossen, begann sein eigenes Geschäft. Im ersten Jahr erhielt er vier Aufträge, im letzten Jahr waren es 150. Noch immer arbeitet er zu 40 Prozent in seinem bisherigen Job. «Wenn man es immer mit Trauernden zu tun hat, dann tut Abwechslung gut.» Trotzdem wird er den zweiten Job bald aufgeben. «Es wird mir zu viel», sagt er. Inzwischen hat er eine Familie.

Mühe, wenn Kinder sterben

Tabu Tod. Schaudert es Enver Fazliji manchmal nicht, wenn er die Verstorbenen sieht? Am Anfang sei ihm die Arbeit sehr nahe gegangen, nachts sei er aufgewacht, sagt Enver Fazliji. «Dann aber beginnt die Psyche zu arbeiten und blendet das automatisch aus.» Kummer dürfe er nicht nach Hause mitnehmen. «Wir müssen eine professionelle Hilfe für die Angehörigen sein. Wenn wir selber traurig werden, kann man uns nicht mehr brauchen.»
Nur verstorbene Kinder, die gehen Enver Fazliji sehr nahe, seit er selbst eine Tochter hat. Sein Witz und seine Leichtigkeit sind verflogen, wenn er darüber spricht. «In den letzten Wochen hatte ich vier Kinder. Manchmal musste ich da einfach losweinen, wenn ich bei der Familie war.» Und es gibt Momente, da bekommt Enver FazlijiAngst, dass der Tod plötzlich jemandem aus seinem engeren Umfeld treffen könnte. «Ich wüsste nicht, wie ich reagiere.»

Leichtes Holz aus China

In einem Garagencontainer in Bellach lagert Fazliji die Särge. Spezialanfertigungen, für die er das Holz aus China importiert hat; ein Holz, das einen Sarg im Vergleich zu Schweizer Standardmodellen etwa 25 Kilogramm leichter macht. – Es geht auch um Frachtkosten. Männer und Frauen bis zu 100 Kilo Gewicht und 1,95 Metern Körpergrösse finden im Standardsarg Platz. Im Innern befindet sich quasi ein zweiter Sarg aus Zink, der für den Flug luftdicht verschlossen werden kann.
Fazliji nimmt den Sargdeckel weg und büschelt den blendend weissen Stoffausschlag mit dem schönen Muster zurecht. Auf die feine Ausstattung legt er wert. «Es ist das letzte Bild, das den Angehörigen in Erinnerung bleibt.» Respekt hat Enver Fazliji immer. «Die Familie vertraut uns einen Menschen an, den sie geliebt hat.»
Der Sarg ist quasi das letzte Erinnerungsstück an die Schweiz, das Enver Fazliji seinen Verstorbenen mit auf die Reise gibt. «Wir Muslime haben traditionell keine Särge», sagt der Bestatter aus Bellach. In drei weisse Tücher gehüllt wird ein Muslim zu Grabe getragen. Auch den Bestatter als Beruf gibt es bei den Muslimen traditionell nicht. Die Beerdigung organisiert die Familie.

Auch Tote brauchen Pässe

Irgendwann muss man auch über das Praktische reden. Im Keller von Fazlijis Haus steht auf einem Gestell fein säuberlich alles, was er braucht: Schwämme zum Waschen der Verstorbenen, Shampoo-Flaschen in Reih und Glied, Plastikhandschuhe und die vorgeschnittenen weissen Stofftücher zum Einwickeln der Verstorbenen.
Wenn Enver Fazliji aufgeboten wird, dann tickt die Uhr immer: Er muss nicht nur den Flug organisieren, sondern auch alle Formalitäten erledigen: Vom Zivilstandsamt braucht er einen provisorischen Totenschein, die Botschaft muss bestätigen, dass der verstorbene Staatsangehörige einreisen darf, Fazliji muss das OK des Zielflughafens einholen, der sicher sein will, dass die Leiche auch abgeholt wird. Er muss den Sargtransport bei der Spedition anmelden. Und auch für die letzte Reise braucht es einen Pass.
Schliesslich fährt Enver Fazliji mit dem Toten in das rechtsmedizinische Institut Zürich, wo ein Beamter neben der Identität des Toten auch kontrolliert, ob nicht noch Schmuggelware im Sarg liegt. Dann wird der Sarg luftdicht verschlossen und plombiert.

Bevor der Sarg ins Flugzeug verladen wird, packt ihn Enver Fazliji in einen Jutesack ein. Das fordern die Fluggesellschaften. Zuvor war es manchmal vorgekommen, dass Passagiere nicht mehr einsteigen wollten, nachdem sie gesehen hatten, dass ein Sarg mitfliegt. Meist schafft Enver Fazliji das innert 48 Stunden.

Nicht gleich behandelt

Enver Fazliji lacht viel, er ist ein aufgestellter Mensch, der auch ein wenig stolz auf seinen Erfolg ist. Er hat eine Marktlücke entdeckt. Mit einem gewöhnlichen Geschäft darf man seinen Beruf aber nicht vergleichen. Fazliji erzählt von einem Leichnam, den er kürzlich im Tessin abholen musste. Der Mann starb bei einem landwirtschaftlichen Unfall. Weder Rettungskräfte noch das Leichenschauhaus haben den geringsten Dreck vom toten Körper entfernt. So wenig Respekt bringt Bestatter Fazliji in Rage. «Im Leben kommt es halt doch darauf an, wer du bist und wo du lebst.»

Der Verstorbene, den Muslim Fazliji repatriiert hat, war ein orthodoxer Mazedonier. «Du hast doch eine Verantwortung vor Gott», sagt er.

© AZ Solothurner Zeitung; 01.11.2014

 

Infobox

Muslimische Bestattung: Särge, Blumen und Kerzen gibt es nicht

«Im dritten Schwangerschaftsmonat kommt ein Engel vorbei und bringt dem Kind drei Dinge», sagt Enver Fazliji. «Die Seele, das Schicksal und das Todesdatum. Das alles ist vorbestimmt.»

– Innerhalb von 48 Stunden sollte der Tote nach Möglichkeit beerdigt werden. Innerhalb von 24 Stunden muss ein verstorbener Muslim die Waschung erhalten.

– Der Leichnam wird drei Mal gewaschen. Zuerst wird der Körper mit Wasser nass gemacht. Auch der Genitalbereich, den immer ein Tuch verdeckt, wird gereinigt. Bei der zweiten Waschung kommt Shampoo zum Einsatz. Die dritte Waschung ist so, wie sie auch vor dem Gebet durchgeführt wird. Je dreimal werden die Hände, dann das Gesicht, Mund, Ohren und Nase gewaschen.

– Jeder Muslim sollte in seinem Leben drei Mal mitgeholfen haben, einen Toten zu waschen. Frauen waschen Frauen, Männer die Männer.

– Der Leichnam wird in drei weisse Tücher eingewickelt. Das letzte Tuch ist das Hemd, in dem der Verstorbene vor Gott treten wird.

– Die Männer gehen mit dem Leichnam in die Moschee, wo sie das Totengebet sprechen. Und danach zum Grab, das gegen Mekka ausgerichtet ist. Bis der Verstorbene beerdigt ist, schwebt die Seele über dem Körper.

– Särge gibt es traditionell nicht, ebenso wenig Blumenschmuck, Kränze oder Kerzen. «Daran könnte man sehen, ob jemand vermögend war», sagt Enver Fazliji. «Im Islam sollen im Tod wirklich alle gleich sein.» Auch Bestatter gibt es traditionell eigentlich nicht. In der Regel organisiert die Familie mit einem Imam das Begräbnis.

– Der Verstorbene wird auf die rechte Seite gelegt, bevor das Grab geschlossen wird. Es gilt die ewige Totenruhe bis zur Auferstehung. Es gibt eine Grabstele, ansonsten ist das Grab sehr schlicht.

Im Kanton Solothurn gibt es in Olten ein spezielles Grabfeld für Muslime. Es existiert seit 2003. Bisher habe es lediglich vier Bestattungen gegeben, erklärt der Leiter des Oltner Bestattungsamtes, Pierre Reift. Ein Grund könnte sein, dass auch Olten die ewige Grabesruhe nicht garantieren kann. Eben erst hat Olten ermöglicht, dass auch Muslime aus anderen Gemeinden auf dem Grabfeld bestattet werden dürfen. (lfh)

Televizioni zviceran SRF, reportazh për Enverin nga Letovica (© Titulli.com / 06. Mai 2013)

Televizioni zviceran SRF, reportazh për Enverin nga Letovica

enveri reportazh titulli

Enver Fazliji nga Letovica e komunës sëBujanocit vazhdon punën me kompaninë e Shërbimeve Funerale në Zvicër. Ky djal i ri me ambicie të mëdha filloi këtë punë në vitin 2005 në vendin e quajtur Bellach, kantoni i Solothurnit.

 

Televizioni zviceran kombëtar SRF, i ka bërë një reportazh kompanisë “Ahireti” se si përgatitet një kufomë në Zvicër dhe transportohet nëpër vendlindjet e tyre të ndryshme në Kosovë, Shqipëri, Maqedoni, Luginë dhe vendbanimet tjera shqiptare.

Ky televizion raporton se në Zvicër jetojnë rreth 400 mijë mysliman dhe ka vetëm dy kompani të shërbimeve funerale. Enver Fazliji së bashku me babain Naim Fazliji siguron se bartja e kufomës bëhet sipas traditave islame.

Shërbimi Funeral “Ahireti” nga Zvicra kryen shërbimet funerale për një kufomë myslimane të cilat kushtojnë rreth 3000 franga zvicerane pavarësisht se ku duhet transportuar kufoma nëpër shtëpitë e tyre.

Fazliji tani më ka arritur një përvojë të madhe në shërbimet funerale dhe arrin që shumicën e kufomave të komunitetit shqiptar në Zvicër t’i transportoj nëpër shtëpitë e tyre.
Reportazhi në fjalë i televizionit “SRF” nga Zvicra ka pasqyruar shërbimet funerale të kompanisë “Ahireti” që nga larja e kufomës sipas traditës islame e deri tek varrimi. Gjithashtu Televezioni SRF në reportazh ka prezantuar edhe vendlindjen e tij, fshatin Letovicë të komunës së Bujanocit.

Shërbimi Funeral “Ahireti” nga Solothurni i Zvicrës është themeluar në vitin 2005 dhe është e specializuar edhe për transportimin e kufomave ndërkombëtare për të cilat rregullon dokumentacionin e nevojshëm.

© Titulli.com / 06. Mai 2013

Das ist der Ablauf bei einer muslimischen Bestattung (© Limmattaler Zeitung / MLZ; 22. Februar 2013)

Schlieren will separate Grabfelder für Muslime schaffen. Muslime müssen nach
ihrem Tod so raschartikull 2 wie möglich bestattet werden. Was vor und während der Bestattung abläuft , weiss Enver Fazliji, Gründer von zwei islamischen Bestattungsinstituten.

Muslime glauben, dass die Seele den Körper erst verlässt, wenn dieser seine Ruhe in der Erde gefunden hat. Stirbt ein Muslim, muss es deshalb schnell gehen: Die Waschung des Leichnams sollte innert 24 Stunden und die Bestattung innert 48 Stunden stattfinden. «Die Fristen sollten eingehalten werden, damit die Würde des Verstorbenen gewahrt werden kann und die Seele ihre Ruhe findet», sagt Enver Fazliji, der vor acht Jahren im solothurnischen Bellach eines von zwei islamischen Bestattungsinstituten in der Schweiz gegründet hat.

Zu Lebzeiten drei Tote waschen
Jeder Muslim sollte in seinem Leben mindestens drei Tote waschen – strikte nach Geschlechtern getrennt. Frauen werden von Frauen gewaschen, Männer von Männern. Der Leichnam wird dabei zugedeckt, bei Frauen von den Brüsten bis zu den Knien, bei Männern der Genitalbereich. Der Tote wird drei Mal gewaschen, einmal mit Wasser, einmal mit Shampoo, dann die Reinigung, wie sie auch vor dem Gebet durchgeführt werden muss: je drei Mal die Hände, das Gesicht, Mund und Nase. Das Wasser müsse dabei lauwarm sein und der Tote so wenig wie möglich bewegt werden, so Fazliji.
Nach der Reinigung wird der Leichnam in ein weisses Tuch gehüllt. Wird der Verstorbene in der Schweiz bestattet, wird er in einen schlichten Holzsarg gelegt, auf die rechte Seite, das Gesicht gen Mekka gerichtet. Wird der Verstorbene im Ausland beigesetzt, muss der Sarg verplombt und der internationale Leichenpass und die Einreisegenehmigung der jeweiligen Botschaft besorgt werden. Am Flughafen wird der Sarg vor dem Verladen in den Frachtraum in Jute eingenäht, damit die Passagiere sich nicht erschrecken.
Muslimische Friedhöfe sind sehr schlicht gehalten. Auf den Grabzeichen stehen meist nur Vor- und Nachname des Verstorbenen und das Todesjahr. Blumen werden keine gepflanzt. Die Gräber sind auch nicht voneinander abgetrennt, die Gräber sollen zu einem Grabfeld zusammengefasst werden. So will es die islamische Begräbniskultur.

«Schlieren sendet ein Zeichen der Wertschätzung»

Herr Steinmann*, seit 2004 werden auf dem Friedhof Witikon Muslime beigesetzt. Was haben Sie in dieser Zeit für Erfahrungen gemacht?
Rolf Steinmann: Wir haben gute Erfahrungen gemacht. Wir arbeiten mit zwei muslimischen Bestattungsinstituten zusammen, denen wir bei ihrer Arbeit viel Spielraum bieten. Wir stellen ihnen einen Waschraum zur Verfügung, wo sie ihre Verstorbenen selbstständig waschen und aufbahren können. Das klappt gut, die Muslime halten sich an die Spielregeln.

Im Schnitt werden in Witikon pro Jahr 20 Muslime bestattet. Besteht überhaupt das Bedürfnis nach weiteren Grabfeldern?
Natürlich. Man muss bedenken, dass sich die Bestattungskultur verändert. In fünf bis zehn Jahren, wenn die erste gut integrierte Generation stirbt, rechnen wir mit einem deutlichen Anstieg an Bestattungen. Wir dürfen ausserdem nicht vergessen, dass auch immer mehr gebürtige Schweizer muslimischen Glaubens sind.

Sind es denn hauptsächlich junge Verstorbene, die bislang in Witikon bestattet werden?
Ja, hier werden hauptsächlich Kinder und Jugendliche bestattet. Alte Verstorbene werden nach wie vor meist in ihr Heimatland überführt. Wenn aber Kinder sterben, wollen die Eltern, die ihren Lebensmittelpunkt in der Schweiz haben, ihr Kind in der Nähe haben und nicht in einem anderen Land beerdigen.

Was halten Sie davon, dass Schlieren ein muslimisches Grabfeld schaffen will?
Ich unterstütze das sehr. Es ist ein Signal an andere Gemeinden und entlastet die Städte, die bereits ein muslimisches Grabfeld haben. In erster Linie ist es aber ein Zeichen an die muslimische Bevölkerung, ein Zeichen der Integration. Wir sind es den muslimischen Mitmenschen schuldig, dass sie hier, wo sie geboren sind, wo sie wohnen, arbeiten und sterben, auch bestattet werden dürfen. Die Stadt Schlieren sendet mit der Planung eines Grabfeldes ein Zeichen der Wertschätzung an seine muslimischen Einwohner.

* Rolf Steinmann ist Leiter des zürcherischen Bestattungs- und Friedhofsamts und damit auch für das erste muslimische Grabfeld auf dem Friedhof Witikon zuständig.

© Limmattaler Zeitung / MLZ; 22. Februar 2013, Katja Landolt

Mit dem Tod fängt die Uhr an zu ticken (© Limmattaler Zeitung / MLZ; 8. März 2012)

Islamische Bestattungen · In der Schweiz leben rund 350000 Muslime, aber nur gerade fünf Prozent von ihnen lassen sich hier bestatten.

Was passiert, wenn ein Muslim stirbt? Wie muss man vorgehen, was gilt es, zu beachten? Das Thema ist fremd und bewegt, wirft Fragen auf. Speziell bei den Menschen, die tagtäglich mit dem Tod zu tun haben.

Deshalb hat das Zürcher Bevölkerungsamt für seine Mitarbeiter und die der Friedhöfe von Grün Stadt Zürich am Dienstagabend eine Infoveranstaltung organisiert. Im Kanton Zürich liegen zwei muslimische Grabfelder; eines in Zürich Witikon, eines wird derzeit in Winterthur gebaut. Und auch im Limmattal sind sie ein Thema: Das Schlieremer Gemeindeparlament wird sich diesen Frühling in Zusammenhang mit der neuen Friedhofsverordnung mit muslimischen Grabfeldern beschäftigen.

Damit die Seele gehen kann
Den fast 70 Zuhörern Red und Antwort steht der 27-jährige Enver Fazliji, der vor sieben Jahren im solothurnischen Bellach eines der zwei schweizweit einzigen islamischen Bestattungsinstitute gegründet hat. Fazliji erklärt Grundsätzliches; beispielsweise dass die Waschung eines Leichnams innert 24 Stunden, die Bestattung innert 48 Stunden stattfinden sollte. Die Muslime glauben, dass die Seele den Körper erst verlässt, wenn dieser seine Ruhe in der Erde gefunden hat. «Die Frist sollte eingehalten werden, damit die Seele den Körper verlassen und die Würde des Verstorbenen gewahrt werden kann.»

Jeder Muslim sollte in seinem Leben mindestens drei Tote waschen. Die Geschlechtertrennung aber ist sehr streng: Frauen dürfen nur von Frauen, Männer nur von Männern gewaschen werden. Der Leichnam wird dabei zugedeckt, bei Frauen von den Brüsten bis zu den Knien, bei Männern der Genitalbereich. Das Wasser muss lauwarm sein, der Tote so wenig wie möglich bewegt werden – «wir behandeln den Leichnam so vorsichtig, als wäre die Person noch lebendig», sagt Fazliji. Üblich seien drei Waschgänge, einmal mit Wasser, einmal mit Shampoo, dann die Reinigung, wie sie auch vor dem Gebet durchgeführt werden muss: je dreimal die Hände, das Gesicht, Mund und Nase. Dann ist der Leichnam rein und wird in ein weisses Tuch gehüllt.

Wird der Tote nicht in der Schweiz beigesetzt, geht es Schlag auf Schlag: Der Sarg muss in der Gerichtsmedizin verplombt und der Leichenpass und die Einreisegenehmigung auf der Botschaft besorgt werden. Dann gehts zum Flughafen, wo der Flug gebucht und der Sarg in einen Jutesack gepackt wird. «Der Jutesack kaschiert den Sarg, um die anderen Passagiere im Flugzeug nicht zu erschrecken», sagt Fazliji. Dann geht es zurück in die Heimat, hin zur letzten Ruhestätte. Und das alles in 48 Stunden.

© Limmattaler Zeitung / MLZ; 8. März 2012

Sterben im Islam (© zVisite; 03.01.2011)

Der muslimische Bestatter/ Wenn ein in der Schweiz lebender Muslim stirbt,
klingelt wenig späterEnverFazliu_3 mit grosser Wahrscheinlichkeit das Telefon von Enver Fazliji: Der Bestatter repatriiert verstorbene Muslime in ihre alte Heimat.

Enver Fazliji spricht leise, beinahe besänftigend. Der gebürtige Kosovare ist 25 Jahre alt, lebt im solothurnischen Bellach und ist ein sensibler, rücksichtsvoller Mann. Wenn ihn Menschen anrufen und vom Tod eines Angehörigen erzählen, dann müsse er ruhig und überlegt vorgehen. Der Tod sei von Gott gewollt, erzähle er dann den Trauernden. Und erklärt das mit einer rührenden Geschichte: «Wir Muslime glauben daran, dass nichts von selber passiert. Alles im Leben ist vorherbestimmt. Im dritten Schwangerschaftsmonat kommt der Engel vorbei und bringt dem werdenden Kind drei Dinge mit: die Seele, das Schicksal und das Todesdatum.»

Wurzeln. Als seine Grossmutter vor fünf Jahren starb, war niemand da, der die Überführung des Leichnams in den Kosovo hätte organisieren können. Die Familie musste alles selber machen. Was mit der eigenen Grossmutter begann, ist inzwischen Fazlijis Beruf. Pro Jahr betreut er rund hundert Fälle, Tendenz steigend. Weit über neunzig Prozent der in der Schweiz verstorbenen Muslime werden in ihrer alten Heimat beerdigt. Das habe mit den familiären Wurzeln zu tun, sagt Fazliji. Die erste Generation wolle im Ursprungsland beerdigt werden, weil viele Familienmitglieder dort lebten. Bei der zweiten und der dritten Generation sehe das schon anders aus. «Wir haben das Leben und die Familie hier, also möchten wir auch hier bestattet werden.»

Waschung. Zuerst fragt Fazliji jeweils nach der Grösse des Verstorbenen. Es gibt Standardsärge, bis 1,95 Meter und hundert Kilogramm. Ist der Verstorbene grösser oder schwerer, brauchts einen speziellen Sarg. Vor Ort sind sie immer zu zweit. Das entscheidende Ritual ist die Waschung des Toten. Dreimal muss das geschehen: Zuerst wird der Leichnam mit einem nassen Tuch zugedeckt. Durch Druck auf den Bauch wird anschliessend der Körper entleert. Nun werden die Genitalien unter dem Tuch gereinigt, dann drei Mal Mund und Nase ausgespült. Bei der Waschung ist meistens ein Familienmitglied des Verstorbenen dabei. «Im Koran steht, dass jeder Moslem mindestens drei Leichen in seinem Leben rituell waschen sollte», sagt Fazliji. Das gelte als gute Tat. Befindet sich der Verstorbene im Sarg, beten die Angehörigen zusammen mit dem Imam das Totengebet. In dieser Zeit organisiert Enver Fazliji die Dokumente für die Überführung. Am Schluss
braucht es einen internationalen Leichenpass, ausgestellt vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich. Dort werde die Identität der verstorbenen Person kontrolliert und zudem überprüft, ob sich sonst noch etwas im Sarg befinde. Wenn alles in Ordnung sei, werde der Sarg mit Silikon verschlossen. Für die Leichenüberführung wird der Tote in einen Zinksarg gelegt, dieser wiederum wird in einen Holzsarg gestellt. Dann wird alles plombiert. Bis zur Bestattung darf der Sarg nun nicht mehr geöffnet werden. Die Überführung einer Leiche geht ins Geld: Die Kosten beliefen sich auf rund 3300 Franken, sagt Fazliji, abhängig natürlich von der Destination.

Vertrauen. Jeder Mensch mache schlechte Dinge, sagt Enver Fazliji, und davor könne man sich kaum schützen. «Darum ist es wichtig, dass man im Leben ganz bewusst Gutes tut, den sich kaum schützen. «Darum ist es wichtig, dass man im Leben ganz bewusst Gutes tut, den Menschen bewusst hilft. Es ist eine grosse Ehre, wenn Angehörige einem ihre Verstorbenen anvertrauen. Vor allem im Islam. Das Vertrauen muss gross sein. Das gibt mir jeweils ein sehr gutes Gefühl», betont er. Seine Arbeit ist für Enver Fazliji Berufung. Er tut in den Augen seines Umfeldes und im Sinne Gottes etwas Gutes. Das Leben sei eine Übergangszeit. «Es ist wie eine Probe, ob man gute oder schlechte Dinge tut. Geld und alles andere lässt man im Tod hinter sich. Nur das Leichentuch nimmt man mit.»

Der Verstorbene wird nach festgelegten rituellen Bestimmungen von einem Muslim gleichen Geschlechts gewaschen und mit speziellen Leichentüchern zugedeckt. Die Beerdigung sollte so rasch als möglich erfolgen, im Idealfall gleichentags.
Nur die Erdbestattung ist erlaubt. Zudem sollte der Verstorbene gemäss islamischen Gesetzen nur mit den Leichentüchern bedeckt beerdigt werden. Wenn dies nicht möglich oder nach weltlichen Gesetzen verboten ist, wird ein einfacher Sarg verwendet. Unmittelbar vor der Beerdigung, vorzugsweise also auf dem Friedhof, wird das Totengebet verrichtet: Es besteht aus dem Glaubensbekenntnis (Schahada), dem Gebet der 1. Sure des Korans, Bitt- und Fürbittgebeten und dem Friedensgruss.
Die Verstorbenen werden in einer speziellen Grabnische auf die rechte Seite gelegt, mit dem Gesicht in Richtung Mekka.
In der Schweiz gibt es inzwischen mehrere Grabfelder für Muslime auf öffentlichen Friedhöfen. Idealerweise besteht ewige Grabesruhe. Die Gräber sollten möglichst einfach, also ohne jeglichen Schmuck sein. Zur optischen Markierung des Grabes werden schlichte Grabmale und -platten verwendet. Der Tod ist nicht das absolute Ende, sondern ein Transit vom Diesseits in das Jenseits. Das Leben auf der Erde und der in Taten sichtbar gewordene Glaube an Allah werden darüber entscheiden, ob der Mensch im Paradies oder in der Hölle weiterexistiert.

© zVisite; 03.01.2011

Im Jutesack zurück nach Bosnien (© Aargauer Zeitung; 18.03.2010)

streben im islam

Enver Fazliji (25) ermöglicht verstorbenen Muslimen die Rückkehr ins Heimatland

Das Bestattungsunternehmen von Enver Fazliji bietet muslimische Bestattungen mitsamt Rückflug an. Die Kosten werden nach Kilopreis berechnet.

Enver Fazliji hat keine Angst vor dem Tod. Der 25-jährige führt das Bestattungsunternehmen «Ahiret Islamic». Damit entdeckte er eine Marktlücke, denn in der Schweiz gibt es nur zwei Unternehmen, die Muslimen eine Bestattung nach islamischem Brauch ermöglichen. Entstanden ist die Idee für sein Unternehmen, als seine Grossmutter starb und Enver sich über die Angebote für eine muslimische Bestattung informierte. Es war unmöglich, die Regeln, die im Koran stehen, einzuhalten. Denn in der Schweiz sind auf Särgen und Leichenwagen christliche Kreuze abgebildet. Und das ist für Muslime nicht erlaubt.
Sobald die Angehörigen eines Verstorbenen anrufen, muss es schnell gehen. Denn im Koran steht, dass ein Toter innerhalb von 24 Stunden unter die Erde soll. Enver informiert einen Arzt, damit dieser den Totenschein ausstellt. Früher ist es vorgekommen, dass Angehörige die Toten selber in die Heimat transportiert hätten. Heute sei das praktisch unmöglich, sagt Fazliji. Danach muss er mit dem Totenschein zum Zivilstandesamt, um eine provisorische Todesmeldung zu machen. Die Kunden von Fazliji stammen meist aus der Balkanregion, selten auch aus Afghanistan oder Iran.
Unterdessen wird der Leichnam nach muslimischem Brauch gewaschen. Im Koran steht, dass Männer von Männern und Frauen von Frauen gewaschen werden müssen. Kinder sollten von der Mutter gewaschen werden. Es braucht drei Waschdurchgänge, damit der Leichnam rein ist. Die traditionellen Waschungen führt Enver, sein Vater oder seine Mutter mithilfe der Angehörigen durch. Diese helfen, denn ein guter Moslem sollte in seinem Leben mindestens drei Tote gewaschen haben.
Dann wickelt Enver den Leichnam in ein Leichentuch und sargt ihn ein. Möglichst schlicht, so will es der Koran. Die Angehörigen nehmen Abschied, wobei nur noch die Familie den Leichnam berühren darf. Wenn Enver den Leichnam zurück ins Heimatland schicken will, muss er jetzt die Polizei anrufen. Die Beamten kontrollieren, ob nichts anderes als der Leichnam im Sarg ist. Dann verschliesst der Bestatter den Sarg luftdicht und die Polizei versiegelt ihn mit einer Plombe.

Särge in Jutensäcke
Für Enver geht die Odyssee durch die Ämter weiter. Er benötigt noch einen internationalen Leichenpass, damit er den Leichnam legal ins Ausland schaffen darf. Hat er diesen, benötigt er von der Botschaft des Heimatlandes eine Einreisebewilligung für den Leichnam. Fazliji beklagt dabei die Beamtenwillkür: «Es ist unglaublich, was wir für rassistische Diskriminierungen erleben.» Viele der Beamten verstünden nicht, wieso Muslime nicht hier beerdigt werden können, sagt Fazliji. Unterdessen bucht er den Flug und verlangt die Zolldokumente beim Flughafenspediteur. Dieser bringt den Sarg in den Frachtraum des Flugzeuges. Dabei packt der Spediteur die Särge in Jutesäcke ein, damit die Flugpassagiere beim Einladen den Sarg nicht zwischen ihren Koffern liegen sehen. «Viele Leute haben Angst, wenn sie wissen, dass eine Leiche im Flugzeug ist», so Fazliji. Die Gesamtkosten für eine Bestattung mit Rückführung in die Heimat belaufen sich auf knapp 3500 Franken, abgerechnet wird nach Kilopreis.

Ewige Grabruhe nicht möglich
Dass immer noch so viele Muslime in der Heimat bestattet werden wollen, erklärt sich Fazliji damit, dass man in der Schweiz die Gräber nach ungefähr 20 Jahren wieder räumt. Für einen Moslem undenkbar, denn der Koran schreibt ewige Grabruhe vor. Zudem müssen die Gräber nach Mekka ausgerichtet sein. Es gibt aber in vielen Gemeinden keine muslimischen Grabfelder und ein Grab in einer anderen Gemeinde als der Wohngemeinde zu bekommen, ist schwierig. Deshalb fordern Muslim-Verbände in jedem Kanton einen muslimischen Friedhof, wie der «Sonntag» berichtete.
Trotzdem werden die Rückschaffungen eher abnehmen: «Für die Generationen, die in der Schweiz aufgewachsen sind, wird das Bedürfnis nach muslimischen Grabfeldern in der Schweiz zunehmen», sagt Enver Fazliji. «Es gibt doch auch jüdische Friedhöfe und ein Hindutempel ist auch kein Problem.» Enver Fazliji immigrierte mit sechs Jahren aus dem Kosovo in die Schweiz und möchte als gläubiger Muslim deshalb auch einmal hier bestattet werden.

Sarah Weber

© Aargauer Zeitung; 18.03.2010

Bestattung in der Heimat ist günstiger (© 20 Minuten Zeitung; 18.03.2010)

heimatViele Muslime lassen ihre Verstorbenen aus Kostengründen in die Heimat überführen. Während ein Begräbnis in der Schweiz 3700 Franken kostet, ist eine Überführung bereits für 2500 Franken erhältlich.

Obwohl in der Schweiz muslimische Gräber existieren, werden sie kaum genutzt. Für die islamischen Verbände, welche sich für mehr Grabfelder für Muslime einsetzen, hat das zwei Hauptgründe: Einerseits müssen die Familien starke Kompromisse eingehen, weil die Bestattungen in der Schweiz nicht allen religiösen Pflichten genügen. Andererseits sei die erste Generation muslimischer Einwanderer erst jetzt in ein Alter gekommen, in welchem der Tod zum Thema wird. Tatsächlich hat es aber auch einen weiteren Grund: die Kosten.
«Im Moment ist eine Überführung in die ursprüngliche Heimat günstiger als eine Bestattung in der Schweiz», sagt der Solothurner Bestattungsunternehmer Enver Fazliji. Für rund 3500 Franken bietet sein Unternehmen eine sogenannte Repatriierung in die Heimat inklusive Flug, Papiere und Beisetzung an. Die Hinterbliebenen müssen nichts machen ausser ihn anrufen. Auf dem Berner Friedhof Bremgarten kostet eine muslimische Bestattung im Vergleich 3700 Franken, nach 20 Jahren wird das Grab allerdings aufgehoben. Was bedeutet, dass Grabstein und Grabschmuck entfernt werden und sofern der Platz benötigt wird, ein anderes Grab darüber gelegt wird. «In der Türkei, Bosnien oder im Kosovo hingegen bleiben die Gräber für immer bestehen, wie es für muslimische Gräber Pflicht ist», so Fazliji.

Überführt wird nicht nur die erste Generation
Die Einschätzung Fazlijis bestätigt Enes Basagic. Der Bosnier arbeitet seit 14 Jahren als Bestattungsunternehmer und überführt vor allem Landsleute aus der Schweiz in die Heimat. «Die Kosten für eine Bestattung in der Heimat fallen einmalig an: Man bezahlt zwischen 2500 und 4000 Franken und muss sich nie wieder damit beschäftigen», sagt Basagic. In der Schweiz hingegen fallen – sofern der Kanton nicht unentgeltliche Bestattungen anbietet – immer wieder Kosten an. Die Kosten für Bestattungen sind kantonal und auf Gemeindeebene geregelt, so dass sich die Preise von Ort zu Ort unterscheiden können. Während in der Stadt Bern sowohl für Muslime als auch für Christen eine Bestattung mit Kosten verbunden ist, bieten Luzern, Basel und Zürich unentgeltliche Begräbnisse an – auch für Muslime.
In der Branche geht man davon aus, dass 95 Prozent der verstorbenen Muslime zurzeit in der ursprünglichen Heimat begraben werden. Überführt werden anders als erwartet, aber nicht nur muslimische Einwanderer der ersten Generation, sondern auch Angehörige der zweiten und dritten Generation. «Die meisten werden auf Wunsch der Familie überführt, weil die Hinterbliebenen in der Heimat stark verwurzelt sind», sagt Fazliji. Was der Wunsch der Verstorbenen sei, bleibe in vielen Fällen unklar.

«Meine Kinder ruhen dereinst in der Schweiz»
Die Bestattungsunternehmer sind aber überzeugt, dass die Überführungen im Moment auch so gefragt seien, weil es keine andere Möglichkeit gebe. Die zehn bestehenden muslimischen Grabfelder sind nur den Einwohnern der jeweiligen Stadt beziehungsweise Gemeinde vorbehalten. Muslime aus Orten ohne eigene Grabfelder haben keine Möglichkeit, sich ihrer Religion entsprechend zur letzten Ruhe zu betten. «Würde es mehr muslimische Grabfelder in der Schweiz geben, würden sich auch mehr Muslime hier begraben lassen», ist Fazliji überzeugt. Noch befinde man sich aber sowieso in einer Übergangszeit, in welcher die Bindung zur Heimat und die nicht ewige Totenruhe eine Rolle spielen.
Die dritte und vierte Generation der muslimischen Einwanderer werde aber analog der italienischen Immigranten irgendwann beginnen, ihre Verstorbenen in der Schweiz zu begraben, sagt Fazliji. So ist für den 25-Jährigen klar, dass seine Kinder sich dereinst in der Schweiz begraben lassen werden. Deshalb prophezeien sowohl Fazliji als auch Basagic, dass irgendwann die Nachfrage für Überführungen sinken wird. Noch blüht das Geschäft der Bestattungsunternehmer aber weiter: Pro Woche überführen Basagic und Fazliji gemeinsam zwischen drei und fünf Verstorbene.

Amir Mustedanagic

Infobox muslimische Bestattung
Muslime müssen erdbestattet werden und dürfen nicht kremiert werden. Die Verstorbenen müssen im Grab auf der rechten Seite liegen, mit dem Gesicht Richtung Mekka. Auch das Grab selbst muss Richtung Mekka ausgerichtet werden. Die Grabruhe darf nicht gestört werden. Das heisst, dass die Toten nicht exhumiert oder die Gebeine umplatziert werden dürfen. In der Schweiz hat man sich darauf geeinigt, dass die Gebeine nach der Aufhebung des Grabes (nach 20 Jahren) im Boden verbleiben. Wird der Platz benötigt, wird ein weiteres Grab darüber angelegt. So sind an gewissen Orten dreifach Belegungen möglich. Ähnlich wird auch in der ägyptischen Hauptstadt Kairo vorgegangen, ist also nicht nur in der Schweiz eine Kompromisslösung. Begraben werden Muslime in der Regel in Leichentüchern, in der Schweiz werden sie in leichten Holzsärgen begraben. Die Särge werden möglichst schlicht und einfach gehalten. Auch das Grab selbst soll möglichst schlicht und einfach sein. Kerzen oder Grabschmuck sind nicht erwünscht.

© 20 Minuten Zeitung; 18.03.2010

Enver Fazliji (20) sorgt für die Bestattung von Muslimen (© 20 Minuten Zeitung; 15.11.2005)

Enver Fazliji (20) sorgt für die Bestattung von Muslimen

ahireti

 

Enver Fazliji (20) sorgt für die Bestattung von MuslimenEr ist 20 Jahre alt und Inhaber eines Bestattungsunternehmens: Enver Fazliji organisiert die Beisetzung verstorbener Muslime in ihrer Heimat.

 

Der 20-jährige Enver Fazliji überführt verstorbene Muslime in ihre Heimat
Wer sich für eine Bestattung nach islamischem Brauch interessiert, kann sich an Enver Fazliji von der Firma Ahiret Islamic Bestattungen, Selzacherstrasse 17 in 4512 Bellach wenden. Aufträge in der ganzen     Schweiz werden angenommen. Mehr Hintergrundinformationen gibt es auch unter www.ahireti.ch. Der Preis liegt zwischen 2500 und 3000 Franken.

Schweizer Gräber werden generell spätestens nach 30 Jahren aufgehoben. Ein grober Verstoss gegen die vom Koran vorgeschriebene ewige Grabesruhe. Enver Fazliji: «Verwandte sollen Verstorbene jederzeit besuchen können. Ausserdem kann nur so die Wiederauferstehung geschehen.» Der in der Schweiz geborene Kosovo-Albaner hat vor kurzem seine gläubige Grossmutter verloren und wurde mit der Glaubens- und Bestattungsproblematik direkt konfrontiert.

Kurzerhand gründete der 20-Jährige in Bellach SO ein Unternehmen, das die traditionelle Ausschaffung verstorbener Muslime in ihre Heimat garantiert – inklusive Dokumentbeschaffung (Totenschein, Leichenpass, Visum etc.), Waschung und Flughafen-Transport. Fazliji: «Laut Koran muss ein Mensch innert 24 Stunden nach seinem Tod beigesetzt werden. Das schaffen wir leider nicht, aber immerhin nach zwei bis drei Tagen.»Bereits hat die Firma Ahiret Islamic Bestattungen zahlreiche Aufträge abgewickelt – und es werden immer mehr.
Fazliji: «Die durchschnittlich 3000 Franken sind kein Hindernis – wird dieser Betrag in der Schweiz doch allein für den Sarg und Transport hingeblättert.»
© 20 Minuten Zeitung; 15.11.2005

«Fast alle Moslems möchten in der Heimat beerdigt werden» Solothurn (© 20 Monika Frischknecht)

Der 20-jährige Enver Fazliji aus Bellach ist Inhaber eines Bestattungsunternehmens. Er unterstützt die Angehörigen verstorbener Moslems, damit diese nach islamischem Brauch in der Heimat beigesetzt werden können.
Enver Fazliji hat keine Scheu vor Tabuthemen: Gerade mal 20-jährig, hat der Kosovo-Albaner vor vier Monaten ein Bestattungsinstitut gegründet. Kein gewöhnliches allerdings. Fazliji begleitet in der Schweiz verstorbene Moslems nach islamischem Brauch und sorgt dafür, dass sie innert kürzester Zeit in ihr Heimatland überführt werden können. «Für einen Moslem ist es aus zwei Gründen wichtig, in der Heimat begraben zu werden», sagt Fazliji. «In der Regel lebt der grösste Teil seiner Verwandtschaft dort. Sie sollen den Verstorbenen am Grab besuchen können.» Und, was noch wichtiger sei: Die Gräber auf Schweizer Friedhöfen werden nach 20 oder 30 Jahren aufgehoben. Die im islamischen Glauben so wichtige «ewige Grabesruhe» kann nicht eingehalten werden.
«Wir Moslems glauben an die Auferstehung: Aus der Erde geschaffen, werden wir nach dem Tod wieder zu Erde, und aus eben dieser Erde werden wir wieder auferstehen», so Fazliji. Aus diesem Grund komme für einen Moslem auch eine Kremation nicht in Frage.

Nur 24 Stunden Zeit
Die Arbeit von Enver Fazliji beginnt unmittelbar nach dem Tod eines Moslems. Er bestellt den Imam (Priester) und führt die Waschungen durch (siehe Kasten). Vor allem aber kümmert er sich ums Administrative: Mit dem Totenschein geht er aufs Zivilstandsamt, bei der Polizei bestellt er ein Einsargungszeugnis, dann wird ein internationaler Leichenpass benötigt, und je nach Ausreiseland muss die jeweilige Botschaft ein Visum ausstellen. Fazliji besorgt auch den für die Überführung notwendigen Spezialsarg mit Zinkeinlage, und schliesslich bringt er den Toten mit dem Leichenwagen zum Flughafen.
Laut Koran muss ein Mensch innert 24 Stunden nach seinem Tod bestattet werden. Dies ist bei einem in der Schweiz wohnenden Moslem aber unmöglich – um alle Papiere zu beschaffen, braucht Fazliji mindestens drei bis vier Stunden. Vorausgesetzt, die Ämter sind geöffnet. «Hier ist das Timing enorm wichtig», sagt Fazliji.

Auch fürs eigene Seelenheil
Wie kommt nun ein so junger Mensch auf die Idee, ausgerechnet ein Bestattungsinstitut zu gründen? Enver Fazliji: «Als im vergangenen Jahr meine Grossmutter schwer krank wurde und sich abzeichnete, dass sie bald sterben würde, da bekam ich die Probleme um die Einhaltung der islamischen Bräuche in der Schweiz und um die Überführung der Toten hautnah mit.» Nur ein kleines Detail: Wird der Verstorbene von einem hiesigen Bestatter zum Flughafen gebracht, dann prangt auf dem Leichenwagen das Kreuz, ein christliches Symbol also. Und: «Allein für den Sarg und die Überführung zum Flughafen bezahlt man bis zu 3500 Franken.» Er wisse zwar von zwei Vereinen in der Schweiz, die sich um die Beerdigung von Moslems kümmerten, sagt Enver Fazliji. «Aber ein eigentliches Bestattungsunternehmen kenne ich nicht. Die Nachfrage indes ist gross.» So entschloss sich der junge Mann, eine eigene Firma zu gründen. «Nicht unbedingt, um viel Geld zu verdienen damit», betont er. Im Gegenteil, er will seine Dienste so günstig wie möglich anbieten. «Ich will meinen Glaubensbrüdern helfen – ich tue es nicht zuletzt fürs eigene Seelenheil.»

Auf der Suche nach Land
Ganz billig ist die Überführung auch bei Fazliji nicht: je nach Aufwand rechnet er mit 2500 bis 3500 Franken. «Allein schon der Sarg, der von den Fluggesellschaften vorgeschrieben wird, kostet 1400 Franken, und für eine Nacht im Kühlraum beim Flughafen Zürich bezahlt man um die 500 Franken», rechnet Fazliji vor. Dazu kommen die Kosten für das restliche Material, die Dokumente und das Benzin. «Auch der Zeitaufwand ist beträchtlich.»
Ob es kommenden Generationen genau so wichtig sein wird, im Heimatland beerdigt zu werden, bezweifelt Fazliji. «Ich kann mir vorstellen, dass unsere Kinder lieber in der Schweiz bestattet werden möchten – sie werden auch ihre Familien und Freunde hier haben.» Deshalb hält er Ausschau nach einem Stück Land in der Region Solothurn, auf dem ein islamischer Friedhof errichtet werden könnte. «Aber ich fürchte, das wird schwierig.»

Monika Frischknecht

«Allein für den Sarg und die Überführung zum Flughafen bezahlt man bei einem hiesigen Bestatter bis zu 3500 Franken.»
« Nach dem Tod werden wir wieder zu Erde, und aus dieser Erde werden wir wieder auferstehen. Darum ist uns die ewige Grabesruhe so wichtig.»

Für die Überführung in die Heimat bettet Enver Fazliji den Verstorbenen in einen Spezialsarg mit Zinkeinlage. (© Solothurner Tagblatt; 03.05.2005)

Das islamische Bestattungsritual
Dass Menschen immer häufiger im Spital sterben, ohne dass ein Angehöriger dabei ist, ist eine traurige Tatsache. Im Islam sei eine solche Situation undenkbar, sagt Enver Fazliji. «Der Sterbende wird rund um die Uhr von seinen Verwandten betreut, und in der Stunde seines Todes werden streng vorgeschriebene Handlungen eingehalten.» Diese sind im Koran bis ins Detail festgelegt: Der Sterbende wird auf die rechte Seite gelegt, mit dem Gesicht Richtung Mekka. Damit soll angezeigt werden, dass sich der Mensch nun an Gott wendet. Daraufhin wird aus dem Koran die Sure (Kapitel) 36 vorgelesen. Sie kündet von der Auferstehung und soll dem Sterbenden Hoffnung geben. Und immer und immer wieder betet man das Glaubensbekenntnis.

Ist der Tod eingetreten, wird der Leichnam entkleidet, auf den Rücken gelegt und mit einem Tuch zugedeckt. Die Augen werden geschlossen, der Kopf mit einer Binde umwickelt. Nun beginnen die rituellen Waschungen, bei denen ein Imam (Priester) zugegen sein muss. Der Tote wird zwei- bis dreimal gewaschen. Ein Mann wird von Männern gewaschen, eine Frau von Frauen, und ein Kind von der Mutter.

Einen Toten zu tragen, gilt als gute Tat
Nun wickelt man den ganzen Körper in ein zwölf Meter langes weisses Leichentuch. Dies ist nötig, weil Moslems nicht in einem Sarg bestattet werden. Nach einem kurzen Totengebet ist der Verstorbene bereit für das Beerdigungszeremoniell. In der Heimat wird er zunächst im Haus der Verwandten aufgebahrt, wo sich die Frauen von ihm verabschieden. «Am Beerdigungsumzug nehmen in der Regel nur die Männer teil, die Frauen bleiben zu Hause und beten», sagt Fazliji. Der Tote soll von möglichst vielen Männern zum Friedhof getragen werden, die Träger wechseln sich auf dem ganzen Weg im Fünf-Sekunden-Takt ab. Denn: «Einen Toten zu tragen, gilt als gute Tat», erklärt Fazliji. Auf dem Friedhof schliesslich wird der Tote ins Grab gelegt, das Gesicht nach Mekka gerichtet. Nun bedecken alle gemeinsam das Grab mit Erde, es wird weiter gebetet, der Imam zitiert den Koran. Das Grab muss schlicht sein, ein Erdhügel ohne Blumenschmuck, ohne Kerzen, ohne Einfassung. Einzig ein unscheinbarer Holzstab mit einer Gravur ist erlaubt.

© Solothurner Tagblatt; 03.05.2005